Milena Oda: UNSERE GRENZEN

]SELBtogether Am 14.2. 2013 besuchte ich das Herz Europas, eine der Kammer – in Selb-Hochfranken, an der D-CZ-Grenze habe ich mit meiner Anwesenheit, meinem Essay “Unsere Grenzen”, den ich vor 110 Leuten in der alten, aber jetzt ganz renovierten Porzellanfabrik PORZELLANIKON (www.porzellanikon.org) vorgetragen habe, das große PROJEKT “KULTUR-FORUM-MITTE EUROPA” unterstützt, und dem Beirat beigetreten. Der Initiator dieses Kulturforums und Projekts ist Hans-Joachim Goller aus Selb.
Im Gesprächsforum war eine ganz tolle Atmosphäre, Optimismus und mit den Entschlüssen der Politiker die Künstler in Mitte Europa zu unterstützen!
Wir Künstler sind sowieso die Träger Europas!
Prof.Ola Schwencke, Milena Oda, Igor Koruga, Svea Duwe  Prof.Ola Schwencke, Milena Oda, Igor Koruga, Svea Duwe Mehr hier: http://www.kunstvereinhochfrankenselb.de/Programm-Kultur_Forum_Mitte_Europa.htmlSee More ForumSelb Milena Oda Milena Oda ForumSelb

UNSERE GRENZEN

Ich wurde geboren in der Tschechischen Republik, in der damaligen Tschechoslowakei. Ich wurde kosmopolitisch erzogen, in einer Familie, die Fremdsprachen förderte. Meine Eltern und Großeltern wünschten sich immer zu erfahren, was jenseits der Grenze ihres Landes passiert. Sie haben es erfahren, doch die Grenzen zwischen dem Westen und Osten blieben.
Wie ihr Wunsch so war auch mein Wunsch: weiter gehen, die Grenze überqueren!
Für mich bedeutet es aber noch mehr: Nicht nur über die Grenze des eigenen Landes gehen, sondern damit auch über die eigene Grenze hinaus, den schon erreichten Komfort überschreiten. Eine Herausforderung! So habe ich auf Deutsch und Englisch angefangen zu schreiben, Literatur nicht für die Schublade, sondern für eine Literaturwelt ohne Grenzen.
Eine wunderbare Herausforderung! Mehr noch – eine Berufung!
Das ist meine Lebensaufgabe, Lebenserfüllung geworden.
Ich überschreite die Grenzen, egal ob die eigenen, oder die von Ländern, ich reise durch die Welt, lebe an manchen Orten und Kontinenten länger, an manchen kürzer und ich fühle mich wohl dabei, grenzenlos alles Neue, Schöne zu lieben, mich grenzenlos zu bewegen. Um diesen Zustand zu erreichen, – darf man aber nicht das Opfer eigener Wünsche sein, sondern muss man Prioritäten setzen. Immer muss ich denken, nachdenken, was ich jenseits der Grenze und ohne Grenze tue, und was ich bis zur nächsten Grenze erreichen möchte. Das Leben bietet doch unbegrenzte Möglichkeiten.
Meiner Meinung nach erlebt Europa einen ähnlichen Traum wie ich: grenzenlos leben und grenzenlose Verbundenheit und Toleranz zwischen den Europäern schaffen. Ich genieße es, so zu leben, und ich bin dafür dankbar, dass wir in Europa frei, friedlich und fröhlich sind, endlich den Kontinent an sich als Einheit betrachten, auch wenn es hier und dort noch viele Risse und Rillen gibt.
Tschechien nennt sich das Herz Europas. Ich mag diese Bezeichnung.
Ich mag auch die Bezeichnung: Mitte-Europa. Nicht mehr die politischen Begriffe Ost und West nutzen, das trägt eine negative Konnotation für unser Europa.
Hier in Selb, an der deutsch-tschechischen Grenze stehen wir am Puls, hören wir direkt das europäische Herz schlagen, wir stehen in einer wichtigen Kammer der Geschichte, ja an jener Grenze, von der aus Europa als Schwarz und Weiß betrachtet wurde. An der die Leute sich fragten, wie leben die dort? Nicht die hinter dem grünen Nachbarzaun, sondern die „anderen“ Menschen hinter dem Stacheldraht und dem riesigen Beton-Zaun?
Die Menschen auf beiden Seiten dieser Mauer wurden in ihrer Sicht begrenzt, und die unpassenden wurden ausgegrenzt. Was für ein komisches Gefühl für beide Teilnehmer dieses politischen Spiels, die an den Grenzen der Möglichkeiten lebten. Das musste man aber auch nicht. Nicht, wenn man frühzeitig das Gefängnis verließ. Die Grenze bedeutet Gefangensein.
Ich kam nach Deutschland – nach Düsseldorf 2001, ich kam als Mensch, jung, fröhlich, ohne Vorurteile, aber 2001, 2002, 2003, viele Jahre wurde ich fast wie ein Unmensch behandelt, vorverurteilt, einer der schlimmen oder morallosen Osteuropäer zu sein!
Damals im Westen, verstand ich nicht richtig das Warum: mein Zuhause steht doch in der Mitte Europas und ich war keine Kriminelle, ich liebe nur die deutsche Sprache! Was Böses habe ich den Menschen angetan? Erst später wurde klar, ich tat nichts, aber das politische System tat unheil. Ich war/bin ein Repräsentant des Ex-Sozialismus, den man im Westen lernte zu verachten. Damals wußte ich noch nicht, dass die Menschen aus dem Westen, auch was lernen müssen, nicht nur wir aus dem Osten ihre Prinzipien und Moral. Sie mussten lernen, die Menschen aus dem Osten zu achten, geschweige denn: einen Menschen an sich.
Und Europa lernt immer noch, sich gegenseitig zu respektieren, zu helfen.
Europa! Kein Osteuropa oder Westeuropa mehr bitte! So kommen wir nicht weiter, wenn wir uns immer weiter politisch abgrenzen, auf weiß und schwarz ausgrenzen.
Du und Ich wer ist was.
Europa ist nicht einfach mit allen seinen Unterschieden, seinen Nationen, Kulturen und Religionen, aber es gibt hier keinen Krieg, die Menschen werden hier nicht mehr massenhaft getötet. Nicht in unserer Mitte, und dafür soll die Mitte Europas das Herz sein, die das Leben aller vorantreibt.
Ein böses Spiel war es, wo das menschliche Leben nicht respektiert, nicht in seiner vielfältigen Schönheit ausgelebt wurde. Natürlich, für manche ja, die keine großen Ansprüche an ihr Leben hatten und haben, aber für die meisten war das ein komischer Zirkus, ein ungewohnter Spektakel mit gefangenen Tieren, die dressiert und diszipliniert wurden. Das Gefangenensein erdrückt den Geist. Die Grenzen, spürten die Intellektuellen, die ausbrechen wollten, jede Art von Grenze wollten sie überschreiten.
Vieles ist inzwischen passiert, innerhalb unserer eigenen und der anderen Grenzen und zwischen den Grenzen. Europa ist fast grenzenlos geworden, und wir auch, wir Europäer. Wir müssen noch lernen. Wir schätzen die Freiheit, den Frieden und die Grenzenlosigkeit. Wir sind glücklich. Das müssen wir zeigen. Keine Angst vor Verfall und Zerfall!
Europa ist gerade ein vorbildlicher Kontinent des Friedens. Ein Kontinent, auf den ich in der Welt, wenn ich reise, stolz bin, weil wir was Besonderes besitzen: Europa besitzt die Tradition der Kunst, Literatur, Musik und Philosophie. Wir waren ein Vorbild für Amerika, ich meine nicht nur die USA – jetzt ist die USA für uns eins. Wir dürfen uns aber das reduzierte Denken und die Weltanschauung (die Meinungen) der Hollywood-und Bestseller-Kultur nicht zum Vorbild machen, das ist zu gefährlich für die europäische Kultur, oder schon zu spät? Sonst liebe ich die USA: ihnen verdanken wir unsere Freiheit.
Einst war Europa mit seinen Ideen und Kultur ein Licht in der Welt. Und wir sollten wieder so ein Licht werden. – Brennen wie ein Leuchtturm.
Wir müssen beim Kleinen wieder anfangen, weil das Licht durch die Ost-West-Feindschaft erloschen wurde. Wir brauchten Zeit, um das zu begreifen.
Damit fangen wir nun an. Zum Beispiel hier, in diesem kleinen Ort SELB, wo die Grenzen zwischen Ost und West hoffentlich schon fast verwischt sind, wo die Menschen grenzenlos leben können. Selb mit dem Kulturverein Hochfranken Selb e.V. wird zum Vorbild werden, und wir auch, weil wir an dem Projekt „Kultur Forum Mitte Europa“ teilnehmen, es unterstützen, und weil wir was bewegen wollen: die Grenzen in uns.

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Eine der geehrten Teilnehmer: Prof./ Künstler, Dichter, Vater der konkreten Poesie: Eugen Gomringer (88), der in Rehau, an der Grenze ein Institut für Konkrete Poesie geschaffen hat, das er leitet, und die Poesie der Grenze anschaulich macht. – MeHerrGomringer

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