Deutsche Autorin!?

 

 

DEUTSCHE AUTORIN? 

von Milena Oda

 

Aus dem Tagebuch der deutsch-tschechischen Autorin Milena Oda in den USA, in IOWA CITY.

 

Im Herbst 2011 war ich als deutsche Autorin für das International Writing Program in den USA, im Staat IOWA ausgewählt. Es geht um ein prestigereiches Programm für Schriftsteller aus aller Welt. Jedes Jahr werden etwa 37 Autoren aus aller Welt eingeladen, um in Iowa City, der kleinen Stadt im Staat Iowa (die nächste Stadt Chicago liegt etwa 400 km entfernt) und an der dortigen Universität im Rahmen des Programms ihr Werk zu präsentieren. Ich war mit meinem Roman: „Nennen Sie mich Diener“, der im Frühjahr 2011 erschien, eingeladen. Die Auszüge ließ ich ins Englische übersetzen und bewarb mich. Da ich auf Deutsch schreibe, seit 12 Jahren in Deutschland lebe, galt ich dort als deutsche Schriftstellerin und vertrat daher Deutschland und die zeitgenössische deutsche Literatur. Ich wurde von der amerikanischen Stiftung Max Kade Foundation unterstützt, die deutsche Autoren, Künstler und Wissenschaftler in den USA finanziell fördert. Ich will aber ehrlich zu mir selbst und zu den anderen bleiben: Ich habe nie verschwiegen, dass ich zwei Seelen habe, mit zwei Kulturen lebe, dass ich gebürtige Tschechin bin, die für sich die Literatursprache Deutsch gewählt hat. Die zweite Hälfte ihrer Seele ist deutsch. Ich habe von diesem meinem kulturellen Dualismus offen bei meinen Lesungen, Vorträgen und Workshops gesprochen. Es schien für viele interessant zu sein, und eher Potential zur kulturellen Bereicherung zu besitzen als ein Problempotential, wie es leider im nationalistischen Europa vorkommt. Jede Nation hat ein Problem mit anderen Nationen! Die Großen mögen die Großen, die Kleinen bücken sich vor den Großen und suchen die Unterstützung unter den Kleinen. Das ist Europa. West und Ost, immer noch. Nicht nur, dass ich Tschechin bin, aber auch eine osteuropäische Marke wie Omen Nomen viele Jahre tragen musste, im Westen, in Deutschland. Das hat mich natürlich traumatisiert. Denn „osteuropäisch“ heißt „anders“ „negativ“ oder auch „kriminell“. Hm. Das bin ich nicht! Und auf keinen Fall als Autorin, ich habe diesen Hintergrund nicht, der mich wie eine Marke schon vorporgrammiert. Oh weh, welches Schicksal, welche Ent-Scheidung mit Hindernissen. Ohne Liebe durch die Literatur geht es aber nicht. Liebe zur Sprache! Liebe?! Ja. Aber man möchte auch die Liebe zurückbekommen, nicht nur negative Ablehnung! Man sollte auf uns doch stolz sein, dass wir, Nicht- Deutsche, die deutsche Sprache als unsere fast Muttersprache gewählt haben! Nein, soweit ist der Literaturbetrieb nicht. Noch nicht. Vielleicht bald… Ich hoffe.

Also all diese europäischen Schriftsteller-Schwierigkeiten kommen in den USA nicht vor. Dafür wieder andere, aber ich löse mich zuerst von den europäischen.

Ich halte mich schon seit zwei Jahren in den USA regelmäßig auf, da ich erst dort das erholende Gefühl der Vereinigung dieser zersplitterten Seele erlebe. Ja, diese zwei streitbaren Teile aus der Mitte Europas versöhnen sich erst in den USA und erst dort sind sie glücklich! Vereint in den Vereinigten Staaten.

Mehr über die Autorin und ihre Bücher:http://www.milenaoda.com

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