Václav Havel: BEGRÄBNIS – TODESTANZ: 23.-24.12. 2011

MILENA ODA

VÁCLAV HAVELS PRAG, BEGRÄBNIS – TODESTANZ: 23.-24.12. 2011 

 Am 23.12.2011, am Morgen wacht ganzes Prag über die letzten Momente mit V.H., von dem in der Kathedrale St. Veit Abschied genommen wird. Eine traurige, bewegende Zeremonie. Von der Tonika zur Dominante, ein Klangtopos des Todes.

Das Begräbnis. Tausende Menschen bewegen sich, hören den erlösenden Wörtern zu. Resurrexit. Die Trennung von Ohr und Auge ist langsam. Tödliche Trennung für Tausende Menschen auf der Prager Burg, sie stehen dich aneinander und betrachten schmerzerfüllt die Begräbniszeremonie. In so tiefer Trauer war unser Land lange nicht. Wir halten aneinander. Bekannte Gesichter, unbekannte, alle vermischen sich und haben eins gemeinsam: wir werden ihn vermissen. Die Eisluft des Winters bekräftigt die Kälte des Todes.Die Mauer zwischen Tod und Leben bekommt Risse, er lebt doch weiter in uns. Jetzt ist es unsere Aufgabe, seinen Gedanken und Worten zu folgen. Zwischen den Worten, die gesagt werden, der Musik, die gespielt wird. Die traurigen Töne erschallen zu den Gesten, Bewegungen und der Leere. Verneigung. Vereinigung mit allen um das Eine. Die Glocken schlagen. Die Kathedrale. Das Lacrimosa zerreißt den Faden zwischen den Trauernden und dem Toten. Abgang. Das Requiem. Dvořák. Mozart. Die Trauer aller.Hoc sepultus est. Ende. Dies tristitiae. Dona eis requiem. Amen. Verklingen eines Tones für die Ewigkeit.

Die Musik setzt am Abend in der Lucerna fort, eine andere Art der Musik, das Fest seiner Lieblingsmusik, die Musik öffnet, atmet wie ein Lebewesen. Das Fest der Freundschaft, das Fest der Gemeinschaft, der Nation, des Landes, das Fest für V.H. Als Dank für seine Worte, seine Liebe, Wahrhaftigkeit, seine Wahrheiten, sein Lächeln, seinen Humor und seine Musen, die weiter leben, die er zu uns schickt. Wie die Mutti. Er war der Vater dieses Landes. Der moderne VaterČech ist verstorben, der Bohemien auf dem Thron bleibt als Vorbild für den nächsten Bohemien. Wie lange werden wir auf einen solchen warten müssen? So einer wird einmal in einem Jahrhundert geboren.

Die Totenfeier verlieh mir ein starkes Gefühl, als ob dies das Umbruchsjahr wäre, der Geist von November 1989 war dort wieder zu spüren! So stark waren wir alle beisammen, die Manifestation! So stark wirkte es auf alle ein; die Generation, die für uns damals kämpfte, war dabei, sie waren um 20 Jahre älter, ich auch… Sie waren inmitten des dramatischen Spieles, sie waren hier präsent, das war stark, durch sie wieder das Jahr 1989 zu spüren. Doch als ob ich diese Atmosphäre jetzt bewusst nachholen könnte…! Die Samtene friedliche Revolution, Manifestation, die Begleitstimmen für den Frieden, für die Wahrheit, Ehrlichkeit und Liebe, für den Umbruch. Die Jüngsten und jungen Menschen kannten kaum die Lieblingsbands von V.H. Sie tanzten, um die Trauer um die verlorenen Menschen mit dem Tanz wegzujagen. Vor V. Havel starben in diesem Jahr noch andere Dissidenten: Ivan Martin Jirous aka Magor, eine bedeutende Persönlichkeit für den tschechischen Dissident, ein großer, ehrlicher Kämpfer, der viele Jahre im Gefängnis verbrachte, ein Dichter, ohne den es den so markanten und revolutionären Dissidenten kaum gegeben hätte. Und Jiří Gruša, ein Exilant, ein Autor, Botschafter zwischen Deutschland und Tschechien, den komplizierten, steinigen Weg der Beziehung wollte er mit Kieselsteinenleichter begehbar machen, einen angenehmen Fußweg zum Meer schaffen… In einem Land ohne Meer. Alle haben nicht genug gelebt! Sie konnten noch ihre Botschaften verbreiten. Doch der Welt muss man die guten Worte täglich wiederholen, um sie nicht zu vergessen. Wir müssen jetzt Václav Havels Worte verinnerlichen, seinen Worten in der Realität folgen.

Es war kein Fest des Todestanzes, etwas ist gestorben, jemand ist gestorben, aber die neuen Menschen waren schon da, die Hoffnung, wie man so sagt, – ja, ich war da, ich bin stolz darauf, in der Zeit von Václav Havel gelebt zu haben und schreiben zu können. Frei. Frei und wahrhaftig. Immer noch. Und ein neuer Präsident wird kommen. Das ist der Zyklus der Natur.

Zu viele tote Engel, ihre Nähe ist immer noch spürbar. Media Vita in morte sumus. Er starb brav, ehrlich aufrecht wie der tiefe Mensch. Das Ende knüpft an den Anfang an. Resurrexit.

Das war der Ausklang für den Verstorbenen, am 24.12. 2011.

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